Warum ein Riesenschnauzer? Ich glaube die nachfolgenden Worte beschreiben bestens warum wir dieser Rasse verfallen sind:

Form und Wesen sind beim Schnauzer von einer seltenen Harmonie, denn was er ist und was er kann, zeigt er auch in seinem Äußeren. Die raue Schale macht uns seine Widerstandskraft deutlich, der kräftige Bau verkörpert seinen Schneid, der schöne Kopf verrät uns seine Intelligenz, und die Augen spiegeln wider, welch große Hundeseele in seinem inneren wohnt. Seine ruhige Gelassenheit ist kein müdes Phlegma, sein Temperament ist keine nervöse Übertreibung, seine Treue keine sklavische Unterwerfung und sein Schneid keine blinde Raserei. Er ist weder eine aufgeputzte Salonschönheit noch ein bulliger Muskelprotz, er ist keine verzärtelte Modepuppe und kein blutgieriger Reißer - er ist ein ganzer Kerl! (Quelle Johann Gallant)

Er ist ein temperamentvoller Draufgänger und trotzdem ruhig und besonnen, ein unerschrockener Hund mit gutartigem Charakter und zuverlässigem Schutztrieb. Der wehrhafte, respekteinflössende Riese hat ein weiches Herz und braucht viel Zuwendung, eine konsequente Führung ohne unnötige Härte, die Geduld und Hundeverständnis erfordert. Fremden gegenüber zeichnet er sich u.a. durch sein etwas misstrauisches Verhalten gegenüber Fremden aus, aber auch durch seine Liebe zu Kindern, was ihn zu einem hervorragenden Familienhund macht.

 

 

Zur Pflege des Hundes gehört das regelmäßige Trimmen des Fells. Ab und zu muss er auch zum Friseur um wieder in "Facon" geschnitten zu werden. Ein sehr grosser Vorteil ist, daß er sehr wenig Haare verliert (in der Regel nicht mehr als wir Menschen auch). Das drahtig harte Haar ist sehr schmutzabweisend und dadurch sehr pflegeleicht.

Wir möchten hier nun etwas zum Trimmen von Schnauzern schreiben. Immer noch häufig wird behauptet, Trimmen tut dem Hund weh und scheren wäre besser. NEIN, das entspricht nicht der Wahrheit, einzig richtig ist, Scheren geht schneller, einfacher, sonst nichts! Ich habe im Hundesalon schon viele „Totgeschorene“ Hunde gesehen, einfach alle paar Wochen kurz geschoren, diese Hunde sind meist nicht mehr sauber in der Farbe, haben häufig gar kein Deckhaar bzw. Granne mehr, neigen zu weichem und lockigen Fell (meist Unterwolle), was der Witterung nicht standhält. Wird dieses Haar bei Regen nass, ist der Hund meist ganz schnell bis auf die Haut nass. Das Haar hat aber eine Funktion, es soll unsere Schnauzer (und auch viele Terrierrassen) mit ihrem drahtigem Haar von Sonne, Wind und Regen schützen.

Schnauzerrassen (und auch viele Terrierrassen) haaren nicht! Sie verlieren nicht, wie andere Rassen ihr Fell, sondern das Haar wird „reif“, dass bedeutet, man kann es ganz leicht mit 2 Fingern in Wuchsrichtung rausziehen. Häufig erkennt man das auch, wenn die Haare nicht mehr dicht am Körper anliegen. Zupft man die „toten“ Haare nicht heraus, kann es zu Verfilzungen und Juckreiz kommen. Schert man es nun komplett kurz, kürzt man zwar die Länge, aber entfernt nicht die „toten – reifen“ Haare.

 

 

Nachfolgend nun eine Beitrag von Rita Hoppe, der in der Pinscher & Schnauzer (PSK Vereinszeitung), Ausgabe September 2011 veröffentlicht ist:

Das „Trimmen“ der Schnauzer
Unsere Schnauzer gehören zu den rauhhaarigen Hunden, das heißt, ihr Haar besteht aus Unterwolle und Grannen- oder Deckhaar . Trimmen heißt, loses Haar mit einem Messer, das möglichst stumpf sein sollte, zu entfernen und zu lang gewordenes Haar mit einem schärferen Messer einkürzen. Die Unterwolle muß ebenfalls mit einem stumpfen Messer herausgetrimmt werden, da der Schnauzer sie nicht abwerfen kann. Bleibt sie auf dem Hund, kann sich eine dicke Filzschicht bilden die sich auf die Haut legt und diese so „abdichtet“, daß keine Luft mehr heran kann. Es können sich dann Hautveränderungen entwickeln bis hin zum nässenden und juckenden Ausschlag, der den Hund sehr quält. Außerdem verfärbt sich die tote, nicht herausgetrimmte Unterwolle je nach Farbschlag braun, rötlich oder gelb. Wenn sie dann noch das Grannenhaar überwuchert, kann man sich unschwer vorstellen, wie der Hund aussieht.

Die Frage, warum der rauhhaarige Hund nicht in seinem Naturhaar herumlaufen kann, ist somit schon beantwortet.
Seit einigen Jahren hat sich eine merkwürdige Einstellung unter den Schnauzerbesitzern breit gemacht. Immer mehr wünschen für ihren Hund einen „Dobermann-Schnitt“ – kurz, kürzer, am kürzesten. Woran das liegt, ist schwer auszumachen. Ich denke, es liegt an der mangelnden Aufklärung und falschen Information vieler Züchter ihren Käufern gegenüber. Bei dem einen oder anderen mag der wirtschaftliche Faktor eine Rolle spielen. Ein bis auf die Haut abgemähter Hund muß natürlich nicht so oft zum Friseur, wie ein korrekt getrimmter. Besonders von Riesenschnauzerzüchtern hört man immer wieder, daß der Hund geschoren werden müsse. Es ist absolut nicht einzusehen, warum ein Schnauzer geschoren werden muß,
im Gegenteil. Schauen wir uns mal an, was beim Trimmen und beim Scheren mit dem Haar passiert.

Zunächst das Trimmen:
Wie schon erwähnt, zupft man das reife, tote Haar mit einem Trimmesser heraus und zurück bleibt das neue, fest in der Haut sitzende Haar. Beide, das alte und das neue Haar sitzen in einem Haarschaft. Wird das tote Haar nicht entfernt, übt es einen starken Juckreiz aus und der Hund kratzt sich ständig. Außerdem kann sich das neue Haar nicht richtig entwickeln; und was durch nicht entfernte, tote Unterwolle entstehen kann, wissen wir ja schon.

Nun das Schneiden:
Wir wissen, daß das Rauhhaar aus längerem Grannenhaar und kürzerer Unterwolle besteht. Zwischen beiden Haarpartien befindet sich ein Luftpolster, das den Hund vor jeder Witterung schützt. Schneidet man dieses Haar nun mit der Maschine ab, haben Grannenhaar und Unterwolle die gleiche Länge und die „Klimaanlage“ funktioniert nicht mehr. Außerdem saugt sich die weichere Unterwolle bei Regen voll Wasser und der Hund wird naß bis auf die Haut. Bei intaktem Haaraufbau läuft das Wasser vom härteren Grannenhaar ab und es dauert sehr lange, bis ein Hund mit solchem Haar naß auf der Haut ist. Was passiert noch beim Schneiden? Das tote, reife Haar wird nur gekürzt und verbleibt mit dem neuen Haar in der Haut, bis es irgendwann – durch kratzen - abgestoßen wird. Es wächst ja nicht heraus, weil es mit der Wurzel keine Verbindung mehr hat. Es verfärbt sich wie die tote Unterwolle, wird je nach Haarfarbe gelb, braun oder grau und läßt den Hund nicht sehr schön aussehen.

Wer diese Zusammenhänge kennt und trotzdem fürs Schneiden plädiert, dem ist nicht zu helfen.
Nun haben wir leider, ebenfalls gehäufter in den letzten Jahren, immer mehr Schnauzer, die nicht über das typische Rauhhaar verfügen. Hauptsächlich findet man das bei den Riesen und den Zwergen, ab und zu auch mal bei den Mittelschlägen; da meistens bei den Schwarzen. Das fehlerhafte Rauhhaar ist meistens zu weich in der Granne und hat zu wenig Unterwolle. Dieses Haar ist sehr schwer zu trimmen. Es sitzt meistens fester in der Haut und ist durch seine weiche Struktur schlecht mit dem Trimmesser zu bearbeiten. Würde ein solches Haar aber ständig geschoren, verlöre es das bißchen Substanz, das vorhanden ist, auch noch, und es würde immer weicher und flusiger. Dazu käme dann noch die Farbveränderung, von der wir ja schon gesprochen haben. In diesem Fall muß man einen Kompromiß schließen, das heißt, ein bisschen scheren und ein bisschen trimmen. Wenn ein solches Haar sehr lang ist, kann man es mit der Maschine etwas einkürzen. Dazu nimmt man einen 1mm Scherkopf und setzt einen mittleren Aufsatz drauf. Damit geht man mit dem Strich über den Rücken und die Oberschenkel. Danach wird getrimmt was noch runtergeht und dann eventuell vorhandene Unterwolle herausgeholt. Hat das Haar dann nicht die gewünschte Länge oder ist zu unregelmäßig, kann man das wunderbar mit der Effilierschere ausgleichen. Im Gegensatz zur normalen Schere, die ja einen geraden Schnitt macht, wird das Haar mit der einseitig gezahnten Effilierschere unregelmäßig gekürzt, was dem normalen Wuchs sehr nahe kommt. Außerdem kann man mit dieser Schere sehr gut Farbunterschiede ausgleichen (bei ps u. ss). Ein weiches Haar, das in dieser Weise behandelt wird, kann sich zum mittelharten Haar verbessern.

Die ideale Länge des getrimmten Haares liegt bei 3-4cm. So lieben es auch die Zuchtrichter und der Schnauzer sieht einfach „kompletter“ aus. Noch ein Hinweis für den Ausstellungshund: Man kann einen sogenannten „rolling coat“ anstreben. Das heißt, alle 14 Tage nimmt man mit einem nicht zu scharfen Trimmmesser das lose Haar herunter und der Hund steht immer im frisch gewachsenen Haar da. Allerdings geht das nur bei der oben genannten Länge und man muß vorsichtig zu Werke gehen, um das neue Haar nicht zu zerstören.

Zusammenfassend sei gesagt, wer schon nicht an die Gesundheit seines Hundes denkt, die bei normalem, gesundem Haaraufbau sicher stabiler ist als bei abgeschorenem, dem sollte vielleicht seine Eitelkeit weiterhelfen. Ein geschorener psSchnauzer sieht furchtbar aus und ein abgemähter Schwarzer ist auch kein Aushängeschild seiner Rasse.

Es ist nicht einzusehen, warum ausgerechnet die rauhhaarigen Hunderassen – bei den Terriern ist das nicht anders – ihrer Haarpracht beraubt werden sollen. Niemand käme auf die Idee, einem Collie, einem Schäferhund oder einem Neufundländer die Haare abzuschneiden – obwohl die Besitzer dieser Rassen beim Haarwechsel wirklich arm dran sind. Bei regelmäßigem Trimmen haben Schnauzerleute mit der Haarung keine Probleme. Noch ein Aspekt, der für das regelmäßige Trimmen spricht.

Das Trimmschema gilt im Prinzip für alle Schnauzer. Etwas abweichend davon müssen die ZSss und die ZSw behandelt werden und beim Sps muß man die Länge anstreben, in der er das beste Pfeffersalz hat. Bei den ZSss müssen zusätzlich die Abzeichen beachtet werden, die vorsichtig herausgearbeitet werden müssen. Das geht am besten mit der einseitig gezahnten Effilierschere. Mit ihr kann man wunderbar das Schwarze vom Silberhaar trennen. Auch bleibt an den Stellen, an denen die Abzeichen zu sehen sind, das Haar etwas länger als bei den anderen Schnauzern.

Zusammenfassend sei gesagt, dass sich das Trimmen unserer Schnauzer immer lohnt, sei es zur Verbesserung der Haarstruktur, zur Gesunderhaltung unserer Hunde oder einfach dem Erscheinungsbild unserer Rauhhaarigen zuliebe.
Also, machen wir uns ans Werk. Viel Spaß bei der Arbeit und viel Freude an den getrimmten Hunden.
Rita Hoppe